Schweden im Glas

Von Ramlösa bis Aarke

19. August 2025
Von: André Uhlig ⁄ Wassersommelier

Auf dem Weg nach Schweden beschäftigt mich eine Beobachtung. Deutschland zählt heute 833 amtlich anerkannte natürliche Mineralwässer. In Schweden sind es gerade einmal zehn. Das erstaunt mich. Denn an Wasser mangelt es diesem Land nun wirklich nicht. Wer an Schweden denkt, denkt an Seen, Küsten, Schären und eine Landschaft, die vielerorts vom Wasser geprägt wird.

Wie kommt es also, dass natürliches Mineralwasser dort eine so viel kleinere Rolle spielt als bei uns? Mich interessiert diese Frage nicht aus statistischen Gründen. Sondern weil sich dahinter möglicherweise ein anderes Verständnis von Wasser verbirgt. Eine Wasserreise zwischen Quelle und individuellen Wasserdesign.

In den kommenden Tagen möchte ich deshalb genauer hinschauen. Nicht auf Prospekte, sondern auf das, was Menschen tatsächlich trinken. Im Supermarkt fielen mir bereits die vielen Tafelwässer und aromatisierten Wässer auf. Daneben begegnete mir mit Ramlösa eines der bekanntesten schwedischen Mineralwässer.

Auch einen Wassersprudler von Aarke habe ich mitgenommen und werde ihn testen. Vielleicht erzählen diese unterschiedlichen Wege zum Wasser etwas über Schweden. Vielleicht erzählen sie aber auch etwas über uns.

Im Regal landet nur, was geologisch verfügbar ist.

André Uhlig

Wenn ich an Schweden denke, denke ich zunächst nicht an Mineralwasser. Ich denke an Astrid Lindgren, an Michel aus Lönneberga, an die roten Holzhäuser in Småland und an eine Landschaft, die von Seen, Küsten und Schären geprägt ist.

Während in Deutschland heute 833 natürliche Mineralwässer amtlich anerkannt sind, sind es in Schweden gerade einmal zehn. Das erstaunt mich. Nicht weil Schweden arm an Wasser wäre. Im Gegenteil. Wasser scheint hier allgegenwärtig zu sein. Vielleicht liegt genau darin ein Teil der Antwort.

Während ich mich auf den Weg nach Schweden mache, beschäftigt mich deshalb weniger die Frage nach einzelnen Marken oder Produkten. Mich interessiert vielmehr, welche Rolle Wasser im Alltag spielt. Was steht auf dem Tisch? Wozu greifen die Menschen beim Essen? Weshalb dominieren in den Regalen vieler Supermärkte Tafelwässer und aromatisierte Wässer, während natürliches Mineralwasser eine vergleichsweise kleine Rolle spielt?

Wasser im Supermarkt

Diesen Beobachtungen möchte ich während meiner Reise nachgehen. Nicht anhand von Statistiken oder Werbeversprechen, sondern dort, wo Wasser tatsächlich getrunken wird.

Mitgebracht habe ich bereits eine Flasche Ramlösa Original, eines der bekanntesten schwedischen Mineralwässer. Auch einen Wassersprudler von Aarke werde ich genauer anschauen. Vielleicht erzählen beide etwas über die schwedische Trinkkultur. Vielleicht erzählen sie aber auch etwas darüber, wie unterschiedlich wir in Europa mit derselben Ressource umgehen.

Zurück in der Aquathek beschäftigt mich die Frage weiter. Auf meinem Tisch steht inzwischen ein Wassersprudler von Aarke. Entwickelt wurde er in Schweden, einem Land, in dem natürliches Mineralwasser eine deutlich kleinere Rolle spielt als in Deutschland. Der Sprudler macht aus Leitungswasser kein Mineralwasser, verändert jedoch durch die Kohlensäure den Trinkeindruck spürbar.

Während ich das Gerät teste, denke ich an die vielen Tafelwässer und aromatisierten Wässer, die mir in schwedischen Supermärkten begegnet sind. Gleichzeitig frage ich mich, welche Rolle Mineralstoffe im Alltag spielen. Gerade im Sport sprechen wir regelmäßig über Magnesium, Calcium oder Hydrogencarbonat. Viele natürliche Mineralwässer bringen diese Inhaltsstoffe bereits von Natur aus mit.

Wenn Leitungswasser in Schweden einen so hohen Stellenwert besitzt, stellt sich für mich die Frage, ob die Mineralstoffversorgung dort überwiegend über die Ernährung erfolgt oder ob diese Fragestellung im Alltag schlicht eine geringere Bedeutung hat als bei uns. Vielleicht liegt die Antwort auch ganz woanders.

Interessant ist dabei, dass mich diese Überlegungen immer wieder an Dr. Friedrich Adolph August Struve erinnern. Bereits vor über zweihundert Jahren beschäftigte ihn die Frage, wie sich die Eigenschaften natürlicher Mineralwässer nachvollziehen und verfügbar machen lassen. Heute stehen dafür andere technische Möglichkeiten zur Verfügung als im frühen 19. Jahrhundert.

Könnte die Verbindung aus regional verfügbarem Leitungswasser, Kohlensäure und einer gezielten Mineralisierung künftig eine größere Rolle spielen? Und würde sich damit ein Gedanke fortsetzen, der bereits Struve beschäftigt hat? Noch habe ich darauf keine Antwort. Genau deshalb finde ich die Frage spannend.

Bildnachweise
Unsplash: Teaser - Herzförmiges Lindenblatt/ Giorgio Trovato

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